Die Wissenschaft liefere eindeutige Belege dafür, dass der Klimawandel zu häufigeren, längeren und intensiveren Hitzewellen führt. Diese Erkenntnisse müssten die Grundlage politischen Handelns sein. „Deshalb investiert Rheinland-Pfalz gezielt in Forschung und Innovation. Unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen leisten einen entscheidenden Beitrag, die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels besser zu verstehen und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Klimaschutz und Spitzenforschung gehören zusammen. Neue Erkenntnisse und Innovationen helfen uns, Emissionen zu senken, unsere Gesundheitsversorgung widerstandsfähiger zu machen und gleichzeitig Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, so der Minister.
Neben Forschung seien auch konkrete Maßnahmen vor Ort entscheidend. Städte und Gemeinden müssten klimaresilient gestaltet werden – etwa durch mehr Grünflächen, Verschattung, Trinkwasserangebote und hitzeangepasste Infrastruktur. „Verantwortungsvolle Politik verbindet den unmittelbaren Schutz der Menschen mit langfristigem Handeln. Jeder vermiedene Ausstoß von Treibhausgasen ist eine Investition in die Gesundheit heutiger und künftiger Generationen“, sagt Hoch. Er appelliert an alle gesellschaftlichen Akteure, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen: „Die Klimakrise kennt keine Landesgrenzen. Deshalb brauchen wir entschlossenes Handeln auf allen Ebenen sowie internationale Zusammenarbeit auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Wer die Gesundheit der Menschen schützen will, muss den Klimawandel wirksam begrenzen.“
Wirtschaftsminister Michael Ebling, auch zuständig für Energie und Klima, ergänzt: „Klimaschutz ist zugleich Wirtschafts- und Gesundheitspolitik. Der Ausbau erneuerbarer Energien, höhere Energieeffizienz und klimafreundliche Innovationen sind zentrale Voraussetzungen, um die Ursachen des Klimawandels wirksam zu bekämpfen und unsere Lebensgrundlagen zu sichern. Rheinland-Pfalz setzt konsequent auf eine starke Wirtschaft, die Klimaschutz als Chance begreift. Mit Investitionen in moderne Technologien und nachhaltige Wertschöpfung stärken wir zugleich die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes und leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Gesundheit heutiger und künftiger Generationen.“
Gesundheitsminister Hoch betont, dass kurzfristige Hitzeschutzmaßnahmen und langfristiger Klimaschutz untrennbar zusammengehören. „Klimaanpassung ist notwendig, sie allein wird aber nicht ausreichen. Dauerhaft schützen wir die Gesundheit der Menschen nur, wenn wir die Ursachen des Klimawandels entschlossen bekämpfen. Klimaschutz ist deshalb immer auch vorsorgende Gesundheitspolitik.“ Steigende Temperaturen führten zu mehr Hitzestress, einer höheren Belastung des Herz-Kreislauf-Systems und der Atemwege sowie zu einer zunehmenden Beanspruchung des Gesundheitswesens. Die Folgen des Klimawandels träfen dabei nicht alle Menschen gleichermaßen. „Konsequenter Klimaschutz ist deshalb auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Diejenigen, die gesundheitlich besonders gefährdet sind, brauchen unseren besonderen Schutz.“
Hintergrund zu Spitzenforschung zum Klimawandel
Nachhaltigkeit ist eine Leitplanke der Hightech Agenda Rheinland-Pfalz: Neben den außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie dem Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe und dem Fraunhofer IMM sind Hochschulen durch HAW Direkt-Förderungen als wichtige Akteure in der Forschung von Wasserstofftechnologien zu nennen. Energiespeichertechnologien und Energieeffizienz in Industrie, Gewerbe und Handel, in Gebäuden und Quartieren oder der Bereich Mobilität sind Bereiche, in denen die Forschungsinitiative Förderungen bereitstellt, vielfach ergänzt durch innovative Promotionen zur Lösung von konkreten Anwendungsfällen.
Der durch die Forschungsinitiative des Landes geförderte Forschungsschwerpunkt EXPOHEALTH untersucht an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wie im Zuge des Klimawandels durch zunehmende Hitzeperioden Herz-Kreislauf- und andere Erkrankungen begünstigt werden und welche Bevölkerungsgruppen besonders gefährdet sind.
An der RPTU Kaiserslautern-Landau wird mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Landes, beispielsweise im Sonderforschungsbereich „The Green Hub“ gemeinsam mit Partneruniversitäten in München und Berlin Spitzenforschung gefördert, wie Kulturpflanzen besser mit Hitze- und Lichtstress umgehen können.
Das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) forscht an den Wechselwirkungen zwischen Luft, Wasser, Boden, Leben und Klima. Dazu werden Laborexperimente durchgeführt, Proben und Daten auf Forschungsreisen mithilfe von Flugzeugen, Schiffen und Messfahrzeugen gesammelt, und durch mathematische Modelle ergänzt. Dies umfasst auch die Forschung zu Wetterextremen wir Dürre und Hitze und die Optimierung von globalen Klimamodellen. Eines der Hauptziele des MPI für Chemie ist es dabei, herauszufinden, wie sich die Luftverschmutzung auf das Klima und die Gesundheit auswirken.
Die Verfügbarkeit von Wasser gewinnt durch den Klimawandel zunehmend an Bedeutung. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt mit über 40 Millionen Euro die Liquids-Initiative am Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz, an der auch das MPI für Chemie beteiligt ist. Die Liquids-Initiative befasst sich mit Aspekten wie dem energieeffizienten Entsalzen von Wasser, der energieeffizienten Aufreinigung von Wasser oder auch der energieeffizienten Spaltung von Wasserstoff. Eines der Ziele der Liquids-Initiative ist es, Wasser nicht nur als Ressource, sondern als aktiven technologischen Hebel für Energieeffizienz, Klimaschutz und Ressourcenschonung zu verstehen und die Liquids-Initiative sowie das Land Rheinland-Pfalz als Impulsgeber für innovative Wassertechnologien zu positionieren.
Mit der GLEN-Studie erforscht die RPTU gemeinsam mit der LMU München, der Universität Heidelberg und der Universität Konstanz in einer von der DFG geförderten deutschlandweiten, umweltbezogenen Langzeitstudie, die Einstellungen, Überzeugungen und Verhaltensweisen der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland zu Umweltthemen wie Klimawandel, Umweltpolitik und nachhaltigem Konsum. Als Langzeitstudie sollen diese bis 2035 im Zeitverlauf erfasst und beobachtet werden. Dazu werden regelmäßig dieselben Personen zu verschiedenen Aspekten befragt, etwa zu Meinungen über erneuerbare Energien, Klimasteuern, das Verbrenner-Aus, aber auch zu ihrem eigenen umweltbezogenen Verhalten (z. B. Ernährung, Mobilität, Konsum). Die Studie erhebt zudem Basisdaten wie Alter, Geschlecht, Bildung sowie Informationen zu Lebensumständen, sozialem Umfeld und Lebenszufriedenheit, um Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren und Umweltverhalten zu analysieren. Ein besonderer Fokus liegt auf der Untersuchung, wie gesellschaftliche Einstellungen und Verhaltensweisen auf politische Maßnahmen, Umweltbedingungen und Extremwetterereignisse reagieren. Damit werden auch Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel und sozialen Ungleichheiten betrachtet. Die gewonnenen Daten sollen eine Grundlage für evidenzbasierte Umweltpolitik schaffen und die internationale Forschungslücke im Bereich sozialwissenschaftlicher Umweltforschung schließen.